Samstag, 18. Februar 2017

Selbstständig in der Pflege: Das Pflegeverstäkungsgesetz II...alles fürn Arsch?

                Pflegeverstärkungsgesetz II, alles für`n Arsch?

                                                         oder:  Geld geht vor Liebe



Die große Revolution ward angekündigt.  Nun, mit dem neuen Verstärkungsgesetz II sollte alles besser werden. Mehr Geld, mehr Zeit, mehr Möglichkeiten in den einzelnen Pflegestufen....T`schuldigung. Pflegegraden natürlich.
Oh ja. Die Erwartungen waren auf jeden Fall groß. Zumindest bei mir.
Würden meine Dementen nun mehr Zeit zur Verfügung bekommen? 
Würden sie nun mehr Möglichkeiten haben?
Wahrlich mehr Geld?
Könnte denn das wahr sein? Sollte sich dieser Traum erfüllen?

Wollen wir das doch mal beleuchten.
Und zwar anhand der Möglichkeiten für genau mein Klientel. Den demenziell Erkrankten.
Dazu muss ich aber erst einmal erklären, welche Möglichkeiten ICH denn im Speziellen abrechnungstechnisch mit meinen Dementen hatte.
Jeder Demente hatte, unabhängig von anderweitigen Arten von Erkrankungen, bei einer "leichten " Demenz ein Betreuungsgeld von 104 Euro im Monat.
Jeder Demente, der eine mittlere bis schwere Demenzerkrankung hatte, bekam 208 Euro im Monat.
Betreuungsgeld nach §45b sind Gelder, die NUR von zertifizierten Diensten, wie wir einer sind, direkt über die Krankenkasse angerechnet werden können.
Also gut, wir merken uns: 104 €leichte Demenz
                                           2o8 € fortgeschrittene Demenz.
Kann man sich gut merken.

Bevor wir nun weiter sinnieren wollen wir kurz über Demente mit leichter Demenz sprechen. Beziehungsweise über deren Angehörige.
Menschen mit einer leichten Demenz kommen in der Regel noch sehr gut allein zurecht. Oder sagen wir mal so. Die Angehörigen kommen in der Regel mit ihren dementen Lieben noch sehr gut ohne Hilfe klar. Die meisten Angehörigen suchen sich erst Hilfe, wenn die Erkrankung fortschreitet und man seine Lieben nicht mehr allein lassen kann.
Das ist traurig, aber wahr.
Solange die Oma oder der Opa noch "zufrieden in seinem Sessel sitzt" und keine weitere Arbeit macht, ist alles in Ordnung.
Das Resultat aus diesem Denken ist, dass wir hier bei uns kaum Demente mit leichter Demenz hatten. 

Nun haben wir also schlußfolgend daraus beinahe nur Menschen mit schweren Demenzen. Und bei 208 Euro im Monat, wenn eben nur dieses von den Angehörigen zur Verfügung gestellt wird, konnten wir die Familien zumindest 8 Stunden im Monat entlasten. Da kann man zum Frisör gehen, oder mal groß einkaufen. Oder auch mal ein Date wahrnehmen.
Zum Bingo meinethalben, oder zu Sport.....Na,, Sie wissen schon.

Jetzt darf man sich nicht falsch verstehen wenn ich sage: Angehörige geben in der Regel nur das absolut notwendigste für ihre an Demenz erkrankten Familienmitglieder aus. Es mag da natürlich Ausnahmen gelten und wenn gerade SIE so eine Ausnahme sind, dann klatsche ich Beifall und beuge das Knie.
Sie geben also folgende Beträge zur selbstverantwortlichen Versorgung und Pflege Ihres Erkrankten aus:
1612 Euro Verhinderungspfegegeld. ( Sie rufen diesen Betrag nicht einfach für sich selber ab.)
Zumindest einen Teil des Pflegegeldes, welches auf Ihr Konto fließt.
Eventuell die 40% Regelung trotz Minderung des Pflegegeldes.
Wenn dem so ist: Bravo. Zählen Sie sich ab nun bitte zur besonderen Ausnahme.
Denn schmerzlich erfahren musste ich durch das nun so tolle Pflegeverstärkungsgesetzt folgendes.
Ist Geld erst mal auf das Konto der Angehörigen....dann bleibt es dort bis der neue Fernseher zusammen gespart ist.
Ich hole zu weit aus.
Das neue PVGII fährt nun nämlich mit folgender Neuerung auf:
Das Betreuungsgeld...oftmals das einzige Geld, das ein Demenzerkrankter zur Verfügung hat um Betreuung und Begleitung für sich in Anspruch zu nehmen, wurde schlichtweg pauschalisiert.
Nun bekommt jeder Demenzkranke 125 Euro im Monat.
Klingt gut?
Nein.
Wie wir vorausgehend schon erkundet haben: Angehörige die Menschen mit einer leichten Demenz Versorgen...wobei diese oft auch noch alleine im eigenen Haushalt leben...suchen sich noch keine Unterstützung. Sie benötigen noch keine.
Die fallen schon mal weg. Milliarden von Euros also komplett unberührt. Damit rechnen die Kassen im übrigen auch.
Der Kranke, der also eine schwere Demenz hat, bekommt aber statt 208 Euro AUCH nur noch 125 Euro.
Das sind bedeutend weniger Stunden für einen Betreuungsdienst.
Und das stößt auf Unverständnis:
Nun müssen Dienste wie wir es sind sich die Frage gefallen lassen, warum wir nicht mehr im gewohnten Umfang betreuen können.

Hm....da fragt sich der mündige Bürger: Aber da muss doch irgendwo was MEHR an Geld drauf
gekommen sein. 
Aber ja! das ist es auch. Ich vergaß zu erwähnen. Das Pflegegeld, also jenes Geld welches der Angehörige für die eigenverantwortliche Organisation von Pflege und Pflegeprodukte zur Verfügung hat, ist DEUTLICH erhöht worden.
Warum ich das vergessen habe?
Weil ich das vergessen kann!
Dieses Geld wird nämlich in der Regel NICHT zu Gunsten des demenziell Erkrankten ausgegeben.
Ist dieses Geld erst mal auf das Konto des Angehörigen, so bleibt es da auch.

Also laufen Gespräche mit Angehörige wie folgt ab:
Ich:" Ich möchte Ihnen gerne des gewohnten Stundenumfang zur Verfügung stellen. Sie brauchen Entlastung. Das weiß ich"
Angehöriger:" Ja, aber das machen Sie ja nicht für die 125 Euro! * Entrüstung auf Seite des Angehörigen der nicht glauben kann, kann ich keine Stunden umsonst arbeiten kann*
Ich:" Aber Sie haben doch dafür mehr Pflegegeld bekommen. Dafür ist es doch da. Geben Sie doch nur das aus, was Sie nun mehr bekommen. Damit haben Sie keinen Verlusst und ich kann sogar NOCH MEHR Stunden als vorher anbieten."
Angehöriger:" Ne! Jetzt bekomm ich schon mal mehr. Sie haben ja keine Vorstellung was wir für Ausgaben haben!"
Ich :....." Ihre Ausgaben sind von Ihnen zu tragen. Nicht von Ihrer Mutter ( Vater, Opa, Oma)
Angehöriger: "Also ich gebe nicht mehr aus als das Betreuungsgeld."

Dazu muss man folgendes sagen: Angehörige versuchen nun auf kuriose Art und Weise mehr Stunden zu ergattern, laufen zu ihren Kassen und "beantragen" mehr Betreuungsstunden. Denn natürlich sind völlig ...VÖLLIG...überlastet, aber eben nicht bereit das "obendrauf" Pflegegeld aus zu geben.
Die Kassen schütteln nur den Kopf und sagen genau das, was ich auch erkläre: Sie haben mehr Pflegegeld. Verwenden Sie es!"
Aber das passiert nicht.

Also haben wir vernachlässigte Demenzerkrankte, völlig überforderte Angehörige und genervte Betreuungsdienste.

Geld geht eben vor Liebe.














Freitag, 17. Februar 2017

Das bin ich.

Zuerst mal vorstellen....


Ja, ich möchte mich erst einmal vorstellen. Das da oben ...das bin ich. Naja, nicht wirklich, aber es gibt einen Grund, warum ich gerade dieses Bild und auch diesen  "Nick" - Namen gewählt habe. Zombie - Nurse.
Denn so fühle ich mich eigentlich zu 90% der Zeit.
Eigentlich heiße ich Barbara, bin 42 Jahre alt, habe zwei erwachsende Kinder, die allerdings noch volle Unterstützung von uns bekommen und noch zu Hause leben.
Ich bin seid 24 Jahren verheiratet und habe zwei Hunde. Bugs und Taddel.

Unser Taddel



Unsere Bugs






















Bugs hat übrigens eine schlimme Futterunverträglichkeit. Aber das nur am Rande.

Wir haben ein sehr, sehr, sehr, sehr altes Haus. Also ich meine nicht so eine neumodische Scheiße wie aus den 70 er Jahren oder so. Ich meine ALT. Erbaut, oder beziehungsweise das erste Mal erwähnt 1649. Ja genau. Richtig gelesen. Anno 1649. Das war die Zeit, in der man noch aktiv Hexen verbrannte und Ablässe erließ.
Unschuldige Zeiten irgendwie.
Unser Haus hat in der unteren "Etage" keine Heizung, dafür aber Öfen. Oben wohnen unsere Mieter und Freunde. Also sie sind schnell zu Freunden geworden.
Da oben sind sieben Zimmer. Da passt die ganze 6 köpfige Familie gut rein. Und eine Heizung ist auch da.
Ich habe ein ganz normales Leben. Ich arbeite wie wahnsinnig um irgendwie klar zu kommen und die Gläubiger zu bedienen.
Ich führe meinen Haushalt mehr schlecht als Recht....was eher eine Frage der Zeit und der Energie ist.
Ich zocke übrigens sehr gerne. Bin ja damit aufgewachsen. Ja...nicht die Kids von heute ist die Gamer Generation. Wir sind es. Die Kids aus den 70er / 80er Jahren.
Ich koche schlecht, rauche zu viel und stricke Socken zur Entspannung.
Früher habe ich gerne noch Kurzgeschichten geschrieben und viel gezeichnet...aber das ist vorbei. Die Zeit fehlt einfach. 

Pflege , das Einzige was ich WIRKLICH gut kann


Ich arbeite seid insgesamt 15 Jahren in der (Krankenpflege) Meine erste Ausbildung im pflegerischen Bereich war die Altenpflege. Danach kann eine Weiterbildung in der Beatmungspflege, danach eine Ausbildung als Podologin und natürlich noch etliche weitere Weiterbildungen. Wie das so ist im Pflegebereich.
Zur Zeit habe ich 3 Jobs. Das brauche ich auch, sonst kommen wir nicht klar. Klar hat mein Mann auch einen Job...aber wir haben ja, wie gesagt, dieses uralte Haus, welches komplett renoviert werden muss und noch zwei erwachsene Kinder, von denen eines im Leben einfach nicht wirklich klar kommt. Oder sagen wir mal so: Das normale Leben ist einfach nicht kompatibel mit unserem älteren Sohn.
Zwei meiner Jobs bekleiden Intensivpflegepatienten.
Zwei junge bis sehr junge (21 und 9 Jahre) Menschen an verschiedenen Orten die in der Häuslichkeit beatmet werden.
Diese beiden Jobs sind Nachtdienste. 8 - 12 Stunden. Je nach Wochentag. Diese beiden Jobs machen im Schnitt 130 Stunden im Monat aus.
NACH den Nachtdiensten, also wenn ich dann nach der Nacht wieder zu Hause bin, arbeite ich für mein eigenes Unternehmen.
Ein kleines Seniorendienstleistungsunternehmen mit dem Schwerpunkt der Demenzbetreuung dun der Seniorenbegleitung..
Die Stunden in meinem Unternehmen machen im Schnitt...."kann ich nicht zählen" aus.
Schlafen ist also für mich reine Glückssache.
Ich habe ein paar Mitarbeiter. Geduldige Menschen , das muss ich sagen.
Ich liebe meine Seniorenarbeit. Mit meinen ausgeprägten Helfersyndrom scheint mir das auch der einzig wahre Job für mich zu sein.
Eigentlich ist Pflege auch das Einzige, was ich WIRLICH gut kann. Also WIRKLICH gut.
Ich kann nichts besser. Nicht mal stricken.
Ich habe das Gefühl, dass ich nicht mal Atmen so gut kann wie Pflegen.
Allerdings. Meine Liebe zu meinem Job ist auch mein Untergang, mein Schicksal und mein größtes Problem.
Das liegt an einer Kombination von Pflegegesetzen, Finanzgesetze, Paragraphen, Angehörigen, Zeiten und meiner eigenen Gutmütigkeit.
Zum Teil bis zur völligen Selbstaufgabe mit vielen Steinen ...och, was rede ich, ganzen Gebirgsketten auf dem Weg.
Davon soll dieser Blog im speziellen erzählen.
Aber nun wisst ihr erst mal ein bisschen über mich. Vielleicht habt ihr Lust, ein bisschen was über meinen Alltag zu erfahren.
Vielleicht habt ihr Lust , selber etwas dazu zu schreiben.
Wir werden sehen.

Zombie - Nurse







Am Rande oder: Wenn das Finanzamt sagt...

Erstaunliche Welt, in der wir leben. Nein, tatsächlich. Das war keine Satire oder Ironie. Das war völlig ernst gemeint. Wir leben in einer erstaunlichen, wundervollen und wundersamen Welt.
Voller Möglichkeiten und seltsamer Ereignisse.
Die meiste Zeit bin ich dankbar für diesen Ort an dem ich leben darf.
Manchmal aber, da verzweifle ich an den gewöhnlichsten Dingen.
Und was ist das wohl gewöhnlichste Ding auf Erden. Und das gleichzeitig trivialste?
Richtig.
Es ist Geld.
Die wohl fürchterlichste , sinnloseste und zerstörenste Erfindung der Menschheit.
Geld macht uns zu Sklaven und zu Sklavenhaltern.
In fact....Geld ist der Ursprung beinahe allen Übels.
Gut, aber ich könnte mich nun weiterhin über Geld auslassen. Wie schrecklich es ist, wie sinnlos, wie zermürbend.
Wollte ich gar nicht.
Vor allem wollte ich über das Finanzamt reden.
Da habe ich die Tage meinen Steuerbescheid bekommen. Ich bin ein arbeitendes Mädel...und glauben Sie mir, ich arbeite nicht wenig.
Bei Gott nicht. An manchen Tagen....und das ist nicht gelogen...da mache ich von Nachtdienste in den drauf folgenden Tag und dann in die drauf folgende Nacht und den drauf folgenden Tag einfach durch.
Also 24- 48 h ohne Schlaf.Das ist keine Seltenheit. Eigentlich für mich schon zu einer Routine geworden. Aber ich bin Pflegekraft, angestellt und nebenbei Selbstständig.
Die Angestellten - Anstellung beläuft sich auf Nachtdienste. Zwei Jobs habe ich da. 450 € und halbe Stelle.
Und für meine Selbstständigkeit arbeite ich tagsüber.
Die meisten Menschen, die mich kennen, haben mich unlängst zu einer Wahnsinnigen abgestempelt.
Vor allen, da ich in der Selbstständigen Arbeit sehr viel Aufwand habe....und eigentlich nichts dabei rauskommt.
Das Finanzamt sieht das anders.
Die kennen aber auch nicht die Hintergründe.
Nun soll ich also aus allen Einkünften zusammen 6200 Euro nach zahlen.
6200 Euro....ich bin mir nicht mal sicher, ob ich so viel im Gesamten zur Verfügung hatte.
Das wäre halt aus dem Umsätzen so errechnet...erklärte man mir.
Umsätze...
Ich denke nach. Das ist aber kein Gewinn. Das sind nur Umsätze.
"Der Gewinn"...so die nette Dame vom Finanzamt, "waren ja 17000 Euro"
Ich schlucke und denke wieder nach.
Ja, das dürfte in etwa das sein, was ich hier für mein altes, Denkmal geschütztes Haus, meine Kinder ( Vor allem dem Großen und seinen Inkasso - Dingen) und der Firma ausgegeben habe. Zusätzlich noch drauf gezahlt.
Ich merke, wie sich der Hals zusammen schnürt.
"Gut", sage ich. "Wie kann ich denn nun meinen Betrag abzahlen?"
Schweigen am anderen Ende des Telefons.
Sie schien zu überlegen.
Dann: " Gar nicht. Eine Stundung ist leider nicht möglich. Sie müssen diesen Betrag schon sofort zahlen."
Meine Gedanken drehen sich. Das ist völlig unmöglich.
Sie wieder: " Aber sie haben ja noch bis zum 03.03. Zeit. Erst dann geht es ja in die Mahnung....>"
Ich fühle mich leicht schwindelig, habe aber eine Frage an die nette Dame:" Sagen Sie mir. Wenn Ihnen jemand sagt, Sie müssen innerhalb von zwei Wochen 6200 Euro auftreiben....haben Sie das dann?"
Sie schweigt.
Ich auch...aber nur einige Augenblicke.
"Ich könnte ja eine Bank überfallen....." Mein Tonfall muss Ihr Sorgen bereitet haben.
Sie springt sofort ein:" Nein, nein...aber gehen Sie doch zur Bank und fragen da mal."
Ich lächel ein bisschen. Ich weiß, dass ich nichts bekomme. Das brauche ich nicht zu versuchen.
Ich also wieder: " Da ist ein Strick effektvoller. Glauben Sie mir."
Ich merke, wie mir Tränen in die Augen schießen. Ich kann nichts dagegen machen.
Mir ist klar: In wenigen Augenblicken werde ich einfach hemmungslos ins Telefon schluchzen. Ich muss das Gespräch also beenden. Die Blöße will ich mir nicht geben.
Aber das aufgeregt plappernde Wesen am anderen Ende erklärt mir :" Sie hätten das ja schon bei Zeiten zurück legen können...."
Ich schaue mich in meiner Deele um. Ich habe nicht mal eine Heizung hier unten. Drei Zimmer sind eine Baustelle. Hier musste nachgedämmt werden.
Das Dach ist undicht....die Elektrik muss gemacht werden.
Ich lache heiser. "Sicher. Natürlich."
Sie hört mittlerweile,dass ich zu weinen angefangen habe.
Ich sage:" Bitte entschuldigen Sie. Ich muss nun auflegen."
Sie sagt noch irgendwas, aber das habe ich nicht mehr verstanden.
Manchmal wäre ich wirklich lieber wer ganz anders.....